Aus dem " Heimatboten 1952/5" Bericht von Pastor Richard Horn - Aus der Gemeinde Radomsko-Dziepolc

Wie die Gemeinde entstand

Die Anfänge der Gemeinde Radomsko-Dziepolc reichen bis zu dem Beginn des 19.Jhd. zurück.Zu der Zeit waren in den benachbarten Ortschaften Petrikau, Belchatow und Tschenstochau bereits Kirchengemeinden vorhanden. Für die immer stärker werdenden evangelischen Bevölkerung in den Dörfern des Kreises Radomsko ergab sich somit die Notwendigkeit des Zusammenschlusses und des Anschlusses an eine der bestehenden Gemeinden. Bei den Erwägungen, welche der Gemeinden als Muttergemeinde in Frage kommen könnte, entschied man sich für Belchatow, weil die Entfernung nach dort "nur" 6 Meilen betrug. Im Juli 1839 wandte sich Pastor Eduard Lemke aus Belchatow an die Kalischer Superintendentur mit der Bitte, in Feliksow, im Kreis Radomsko eine Filialgemeinde ins Leben rufen zu dürfen. Mit Schreiben vom 26.Juni 1840 gab das Warschauer Konsistorium seine Einwilligung zur Gründung dieser Filialgemeinde.

Die Filiale in Feliksow hätte schon zu einem früheren Zeitpunkt gegründet werden können. Dem stand jedoch ein Plan im Wege, welcher die Möglichkeit der Gründung einer Filialgemeinde im nahen Przedborz, welches zu Kielce gehörte, vorsah. Dieser Plan wurde eifrigst von Pastor Röscher aus Kielce verfochten. wegen des Abzuges vieler Evangelischer aus Przedborz musste dieser Plan wieder aufgegeben werden.

Schon seit dem Jahre 1795 besaß Feliksow ein eigenes Bethaus mit Schule. Der erste Kantor und Lehrer des Ortes war Erdmann Pudewill. Dies war ein äußerst tüchtiger Mann, der sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute. Seine Verdienste wurden von Pastor Benni aus Petrikau besonders hervorgehoben und anerkannt. Zur Filialgemeinde gehörten damals 295 Familien, d.i. 975 Seelen. Die Zahl der Familien stieg jedoch innerhalb eines Jahres auf 300.

Als erste Bewohner von Feliksow werden genannt:

Gottfried Bilau, Andreas Deutschmann, Christian Förster, Gottlieb Hirche, Gottlieb John, Christian Klekta, Johann und Gottlieb Leiss, Daniel Semper, Gottlieb Werner, u.a.

Im Jahre 1841 erhielt die die Filialgemeinde eigene Standesamtbücher. Zugleich erhielten die kath. Pfarrämter ein Verbot, standesamtliche Beurkundungen von Evangelischen vorzunehmen. Das Gemeindezentrum in Feliksow bestand nur sehr kurze Zeit. Schon 1843 wurde die Stadt Radomsko zum Mittelpunkt der Filialgemeinde erwählt . In Radomsko wohnten um die Wende des 18.-19. Jahrhunderts zahlreiche evangelische Familien. Von den vielen werden genannt:

- der Schneidermeister Daniel Hesler,
- der Windmühlenbesitzer Gottlieb Weiß,
- der Kürschnermeister Mathias Lange,
- die Fleischermeister Friedrich und Johann Lange,
- der Bäckermeister Karl Pohl,
- der Gerichtsdiener Daniel Busse
- der Kunstmaler Johann Schwank und verschiedene andere. Um das Jahr 1840 jedoch war von all diesen niemand mehr in Radomsko ansässig.

Als nun die Filialgemeinde nach dort übertragen wurde, wohnten am Ort nur zwei Familien : Gottlieb Köbernik und Karl Fritz. Es müssen also schon ungewöhnliche Gründe vorgelegen haben, wenn man sich unter diesen Umständen entschlossen hat, diesen Schritt zu tun. Diese Gründe glaubte man in den weitgehenden Versprechungen, die der Magistrat von Radomsko den Evangelischen gab, zu sehen. Der Magistrat hatte den Evangelischen für den Fall der Verlegung des Gemeindezentrums nach der Stadt versprochen, einen Raum für gottesdienstliche Zwecke unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. In absehbarer zeit sollte dann die katholische Kirche des Heiligen Geistes in eine evangelische umgewandelt werden, was ebenfalls nichts kosten sollte. Und unentgeltlich sollten dem Kantor drei Morgen Land, sowie genügend Brennmaterial kostenlos überlassen werden.

Fortsetzung folgt!

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